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so...hier kommen ein paar sebst geschriebene Text hin...wenn jemand Lust hat sie zu lesen kann er dies gerne tun...^^


(1) Was bleibt? = habdelt von einer Fehlgeburt
(2) Fensterträume = geht um die Einsamkeit eines Menschens
(3) Verfolgt von Sucht = spiegelt die Drogenszene wieder
(4) Teufelskreis = Text über ein magersüchtiges Mädchen
(5) Amerika - und dann? = vom Erwachsenwerden und losslassen


(1)
Was bleibt?


Ich weiß, wie sie sich fühlen! Diesen Satz hört man nur als zu häufig. Von Verwandten, Bekannten, Freunden und Ärzten. Doch wirklich wissen, wie man sich fühlt, tut keiner. Ich habe mein Kind verloren. Es wurde tot geboren! Diese winzigen Schuhe, die Wiege, das Kuscheltier, hatte ich alles schon für dieses kleine Wesen gekauft. Ich liebte es von dem Moment an, wo ich von seiner Existenz erfahren hatte. Ich hätte so gerne erfahren wie es aussieht. Ich hatte mir vorgestellt, wie sie ihren ersten Freund hat, die erste große Liebe erlebt. Ihren ersten Schultag, der Führerschein. Nun werde ich niemals eine Antwort auf all das bekommen. Ich werde mein Baby niemals vergessen. Es lebt in meinen Träumen weiter. In meinem Herzen ist eine unendliche Leere. Von Beileidsfloskeln hielt ich noch nie viel. Oder solche Sachen wie: „Ich bin immer für dich da!“, sind bedeutungslos und helfen mir nicht. Zuerst war da nur unendlicher Schmerz, Wut und Hass. Warum lässt Gott das zu? Warum passiert es gerade mir? Danach kam unsagbare Verzweiflung und Leere. Erst dann kann man auch die Trauer wahrnehmen. Meinen Mann scheint das alles kaum zu berühren, er geht wie immer seinen Geschäften nach und verdrängt seine Gefühle. Es ist schwer für mich damit umzugehen, aber ich weiß, er fühlt genauso wie ich. Ich stehe oft für Stunden in dem Kinderzimmer und streichle über das Bettchen, schaue mir die kleine Spieluhr mit den gelben und roten Sternen an. Ich versinke in meinen Träumen und weine. Ich habe gelernt, meiner Trauer freien Lauf zu lassen. Manchen mag es auch hilfreich sein, darüber mit einem guten Freund reden zu können. Mir kommen die Wörter „TOD und Sterben“ noch nicht über meine Lippen.
Vielleicht, irgendwann, werde ich gelernt haben, darüber zu sprechen.
Was sind es für glückliche Mütter, welche nach überstandenem Geburtsschmerz, ein Leben mit ihrem Kind geschenkt bekommen.
Ich habe die Schmerzen, die Wehen ertragen müssen, obwohl ich wusste, dass ich mein Kind niemals lebendig in meine Arme würde schließen können – denn es war bereits tot. Mein Mann und ich hielten unsere kleine Tabea lange in unseren Armen. Aber kein Schreien war zu hören – es herrschte Totenstille. Schlaff lag der kleine Körper auf meinem Bauch. Die kleinen Fingerchen wurden schnell kälter. Ich umklammerte mein Baby und wollte es nicht hergeben. Ich versprach ihm, für immer in Gedanken mit ihm verbunden zu sein und eines Tages würden wir wieder vereint sein. Es wurde draußen schon hell – da kam meine Hebamme, streichelte mich behutsam und weinte mit uns. Ich legte Tabea in einen kleinen weißen Sarg mit rosa Seide. Ich streichelte ihr das letzte Mal über den schwarzen Haarflaum, dann nahm mir der Schmerz die Erinnerung.
Am Mittag kam die Hebamme in mein Zimmer, setzte sich an mein Bett. Sie öffnete ihre Hand, daran lag eine wunderschöne kleine Feder. Sie sagte: „Die Indianer haben ein schönes Ritual. Wenn ein Kind gestorben ist, legen sie eine kleine Feder auf einen Hügel. Wenn sie vom Wind fort getragen wird, ist die Seele des Babys im Himmel. Dort liegt es dann sanft auf einem Bettchen aus Federn und ist glücklich.“
Ich stand auf, nahm die Feder, öffnete die Balkontür und trat hinaus. Sanft streichelte ich über die Feder und es fühlte sich an wie die Haare meines Babys.
Dann legte ich die Feder auf die Balkonmauer. Es war ein absolut windstiller warmer Sommertag. Es verging eine ganze Zeit. Plötzlich kam ein Lufthauch, nahm die Feder auf, ließ sie eine Weile vor meinem Gesicht tanzen und trug sie dann höher und höher – bis sie meinem Blick entschwunden war. Ich stand noch sehr lange dort und schaute nach oben. Ich weinte, doch tief in mir spürte ich ein Gefühl von Glück – Glück, dass es meinem Baby jetzt gut ging.
Gerade eben kommt mein Mann nach Hause. Er drückt mich fest an sich. Wir gehen heute Abend zum ersten Mal zu einem Treffen für verwaiste Eltern. Wir müssen einen gemeinsamen Weg der Trauer finden, damit unsere Liebe nicht zerbricht. Ich stecke ein Bild von unserer Kleinen in meine Jacke, nehme die Hand meines Mannes und dann gehen wir unserer gemeinsamen Zukunft entgegen.








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(2)
Fensterträume

Still schaute ich in die Dunkelheit hinaus, geschützt von der Glasscheibe im Fensterrahmen vor mir. Die Welt, die sich mir bot, schien einsam und verlassen, darauf zu warten, erhellt zu werden. Ich hoffte vergebens das es sich erfüllte. Die Luft stand bewegungslos zwischen den faulen Blättern der Herbstbäume.
Langsam rappelte ich mich auf, legte mich in mein kaltes Bett und schloss die Augen. Gibt es einen Weg aus dieser erdrückenden stille zu fliehen? Dieses ewige Selbstmitleid in irgendeinen mir unbekannten und verschlossenen Raum zu sperren. Ich wartete auf Antworten, doch keiner gab sie mir. Dieser unverzeihliche Schmerz von vergangenen Taten, umklammerte mein Herz wie ein Schloss aus Eisen. Unzerstörbar für immer an seinen Platz gebunden. Keiner konnte, und das war mir bewusst, jemals wieder das Geschehene rückgängig machen. Nicht einmal Gott oder der Teufel persönlich. Jeder Tag hier glich seinen Vorgängern. Ohne Leben, Wortwechsel oder Freude. Wenn ich schlief, befand ich mich in einer wunderbaren, heilen, fröhlichen Traumwelt. Es war ein Ort, wohin man flüchten konnte, sich zurückziehen, einfach glücklich sein. Aber es waren allesamt nur unerreichbar ferne Gedanken und Sehnsüchte.
Als ich am morgen von merkwürdigen Geräuschen im Nebenzimmer aufwachte, wusste ich nicht mehr wo ich mich befand. Unruhig setzte ich mich aufrecht hin und schaute mich im Halbdunkeln um. Verändert hätte sich nichts, doch trotzdem war irgendetwas anders. Wie, als wenn eine Person anwesend wäre, eine andere, mir unbekannte Kraft. Die Luft war plötzlich mit Leben gefüllt und ich fühlte mich beobachtet. Auf eine unerklärbare Art, aber auch beschützt und geborgen. Gefühle die ich seit langem vermisste. Ich erinnerte mich an den Urlaub mit meiner Frau in Spanien. Wir hatten gefeiert, uns über unsere gemeinsame Zukunft gefreut, unbeschwert das Leben genossen. Doch lange sollte unser Glückt nicht halten dürfen. Ich dachte an den Unfall, welcher uns beide aus einander riss. Es war meine Schuld gewesen. Wäre ich an dem Abend nicht betrunken Auto gefahren, würde sie noch leben. Die Frau mit dem Kind auf der Straße vor uns, sind gestorben, weil ich zu leichtsinnig war. Drei Menschen mussten wegen mir ihr Leben lassen. Vielleicht waren sie es die sich bei mir befanden. Gab es einen Grund für ihre Anwesenheit? Es klang zu verrückt um es zu glauben und ich probierte in meinen Buch weiter zu lesen. Ich verschlang die Buchstaben wie Nahrung, doch was ich las, hatte ich nicht verstanden. Es war wie als müsste ich mich innerlich übergeben. Also legte ich es bei Seite und setzte mich an meinen Platz am Fenster. Draußen war es neblig kalt, so schien es zumindest. Der Baum sah versilbert aus, wie er dort stand und sich keinen Millimeter bewegte. Ein Rabe krähte und seine Artgenossen flogen mit ihm gen Himmel. Wahrscheinlich hatte er zum Aufbruch gerufen. Es sah hübsch aus. Viel friedlicher als gestern Abend noch. Wie als könnte der Welt Nichts und Niemand etwas anhaben. Plötzlich hörte ich von weit her eine Stimme gedämpft etwas unverständliches flüstern. So sehr ich mich auch anstrengte, ich verstand es nicht. Diese Magie die eben noch hier bei mir herrschte war auf einmal verschwunden. Hinterließ aber auf keinen Fall Leere, sondern eher, als würde sie einen Teil sich selbst bei mir gelassen haben und mich beschützen wollen. Vor Irgendetwas, aber sie sah keine Notwendigkeit darin, immer ganz in meiner Nähe sein zu müssen. Ich glaubte, ja ich war mir sogar sicher, dass sie mich auf die Gesellschaft, die anderen Menschen dort draußen vorbereiten wollte. Mir auf meinem Weg bis dorthin zu Seite stehen? Mein Blick glitt über die Gitter vor der von meinem Atem beschlagenen Glasscheibe hinweg zu dem Baum. Ein hellgelber Lichtstrahl der Sonne fiel sanft bis auf den kalten vereisten Boden und genau an dieser Stelle hatte sich eine kleine Pfütze gebildet. Das Eis konnte der Sonne nicht mehr standhalten und wurde zu Wasser.








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(3)
Verfolgt von Sucht

Es dämmerte schon, als ich völlig kaputt den Schlüssel aus meiner Handtasche zog. Langsam steckte ich ihn ins Schloss und öffnete die Tür. Es dauerte eine Weile, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Ich tastete mich an der Wand entlang zum Lichtschalter und ging die Treppe hinauf zu meinen Zimmer. Ich wollte nur alleine sein. Nur meinen Atem hören und nicht den eines Anderen. Ich glaube, jeder Mensch braucht auch mal die Einsamkeit. Doch sollte sie nicht als zu häufig werden.
Ich ließ mich in das Sitzkissen am Fenster sinken und blickte hinaus. Mittlerweile war es vollkommen dunkel geworden und die Straße vor dem Haus war wie leergefegt. In meinen Gedanken ließ ich den vergangenen Tag erneut geschehen. So gefeiert hatte ich schon lange nicht mehr - es tat gut, sich einfach einmal treiben lassen zu können. Zu tanzen - mit deinem Körper Schritt für Schritt in die Musik überzugehen. Wie hatte ich gelacht. Es war einfach eine fantastische Stimmung gewesen. Morgen werde ich mit Svenja shoppen gehen und danach auf eine Party von ihrem Freund Mark.
Mark ist schon 18 und kann uns dann immer Alkohol besorgen. Dann müssen wir ihn wenigstens nicht klauen.

Nach dem „Dauer–Geschäfte-Durchwühlen“ waren wir beide noch lange nicht erschöpft und beschlossen, noch zu einem Juwelier zu gehen. Ich wollte nämlich schon ewig noch ein paar Ohrlöcher haben.
Svenja meinte, sie kenne einen Laden, der dies auch ohne Einverständniserklärung der Eltern mache. Also gingen wir zusammen hin. Mit Freuden stellte ich fest, dass sie Recht hatte. Ich setzte mich auf den Hocker. In dem Raum war es drückend heiß. Der Juwelier setzte die Pistole an mein Ohr. Weh tat es nicht wirklich, doch es ziepte schon mehr als bei den ersten Löchern.
Es sah echt Klasse aus und ich war glücklich darüber endlich 4 Ohrringe tragen zu können.
Es war jetzt schon halb sieben und wir mussten los damit wir uns noch für die Party zurecht machen konnten.
Fertig gestylt saßen wir dann alle in einem Kreis bei Mark auf dem Boden und tranken Wodka. Svenja zündete sich eine Zigarette an und reichte mir auch eine hinüber. Tief atmete ich den Rauch in meine Lunge ein. Langsam begann auch der Alkohol seine Wirkung zu zeigen.
Plötzlich stand Timo, Marks bester Freund, neben mir und hielt mir eine kleine weiße Pille hin. „Hier, damit es dir noch besser geht. Ist total abgefahren das Zeug.“ Ich wollte erst nicht, doch Timo meinte, es sei vollkommen harmlos. Na ja, so schlimm wird es schon nicht sein, dachte ich mir, nahm die Pille und schluckte sie runter. Weiter ging die Party – ach, ist das Leben doch herrlich. Einige Zeit später fühlte ich mich plötzlich etwas schwindelig. Alles um mich herum hörte sich so komisch an. Und meine Lippen waren wie betäubt. Der gleichbleibende Rhythmus des Liedes hämmerte wie Schläge in meine Ohren. Die Bilder vor meinen Augen verschwammen und die Farben vermischten sich zu grellen, blinkenden Lichtpunkten auf meiner Netzhaut. Ich fühlte mich frei, frei wie ein Vogel und stark – nicht mehr so verletzbar wie sonst.

Am nächsten Tag wusste ich nichts mehr von dem was gestern geschehen war. Svenja erzählte mir nur das, was sie selbst noch wusste. Dies war aber auch reichlich mager. Heute hatten wir keine Lust auf Schule und so sagten wir uns: Schwänzen wir halt mal den einen Tag – ist doch halb so wild. Gesagt, getan und ab ging es ins Schwimmbad. Bald danach lagen wir faul in der herrlichen Sonne. Gegen Mittag wurde ich auf einmal sehr unruhig. Meine Finger begannen zu zittern und mir war plötzlich kalt. Ich setzte mich auf und teilte mir mit Svenja meine letzte Zigarette. Anschließend gingen wir eine Currywurst mit Pommes essen. Vielleicht war ja mein leerer Magen Schuld an meinen Unwohlsein. Doch wesentlich besser ging es mir leider nicht. Svenja erzählte mir, dass Timo am Freitag „sturmfreie Bude“ hätte. Da lag einer erneuten Superfete nichts mehr im Wege. Bald darauf gingen wir, pünktlich zur Schulschlusszeit, nach Hause. Ich legte mich gleich ins Bett und schlief ein.

Am Freitagabend trafen wir bestens gelaunt bei Timo ein. Ich hatte meinem Vater aus der Bar eine Flasche Southern Comfort stibitzt. Die Fete war schon in vollem Gange. Wir tranken Alkohol, tanzten und amüsierten uns prächtig. Zum Verschnaufen ließen Svenja und ich uns auf eine Matratze plumpsen. Da gesellte sich Timo zu uns und holte wieder diese Tabletten heraus. Er meinte, dass wäre das neuste Zeug, was es zur Zeit gäbe. „Ein echt geiler Trip“, versprach er uns. Er gab jedem von uns eine und auf „drei“ schluckten wir sie gemeinsam runter. Das Gefühl, dass kurze Zeit später über mich kam, war noch um einiges besser und intensiver als das letzte Mal. Es wurde noch eine sehr lange Nacht – ich schwebte bis zum Morgen wie auf Wolken dahin. Beim Verabschieden fragte uns Timo, ob er uns welche von den Glücksbringern verkaufen solle – zum Freundschaftspreis. Lachend lehnten wir ab – es sollte etwas ganz Besonderes bleiben. Am nächsten Tag fühlte ich mich total mies – ich war vollkommen erschlagen. Meine Mutter kochte mir einen Tee und meldete mich in der Schule krank. Svenja ging es genauso und wir Beide verbrachten den Montag im Bett.
Am nächsten Morgen war alles wieder okay. Svenja und ich trafen uns wie immer auf dem Schulweg. Doch Lust auf Schule hatten wir beide absolut nicht – ist doch total spießig. Lieber ein bisschen abhängen.
Wir gingen in die Stadt, klauten ein paar coole Sachen, sahen uns im Kino Filme an und genossen das Leben. Es wäre zu schade, es ohne Spannung und Freude zu verschenken...dafür wäre es eindeutig zu kurz! Am Mittwoch waren wir dann aber gar nicht mehr so gut drauf. Die Übelkeit, das Zittern und Frieren kamen wieder. Noch heftiger als beim letzten Mal. Ziemlich fertig setzten wir auf eine Bank im Stadtpark. Plötzlich stand Timo vor uns: “Na, Mädels – habt auch schon mal besser ausgesehen. Hängt ja ganz schön ab. Wie gut, dass der liebe Timo das richtige Mittelchen für euch hat.“ In seiner geöffneten Hand lagen zwei Glückspillchen. „Hier, weil es euch so dreckig geht, gratis!“


Am Mittwoch gab es endlich Ferien. Svenja hatte ihrer Mutter 100 Euro aus der Handtasche genommen. Dafür erstanden wir bei Timo eine ganze Packung dieser Pillen. Wir fühlten uns prächtig und feierten Tage und Nächte einfach durch. Mittlerweile gaben wir uns fast täglich den Kick mit den Pillen. Taten wir dies einmal nicht, wurden wir schnell aggressiv und waren gereizt. Also, wieso uns so etwas antun, wenn es auch ohne geht. Lassen wir das Zeug also einfach mal für eine Weile weg. So dachten wir. Mark war jetzt mit mir zusammen und Timo mit Svenja. Ich jammerte Mark vor, wie schlecht wir uns fühlten und Mark sagte, er wolle uns morgen etwas Abgefahrenes zeigen. Er habe so neuen Stoff bekommen. Ich glaube, es war Koks, oder so. Von irgendeinem Freund. Ein Mädchen, die das schon des öfteren gemacht hatte meinte, es sei das Beste, was man sich vorstellen könne.

Am nächsten Abend saß ich in der U-Bahn und fuhr zu Mark nach Hause. Svenja wollte vor der Haustür auf mich warten und dann mit mir zusammen zu ihm hoch gehen. Wir waren gespannt, was uns erwarten würde.
Wenig später saßen wir in Marks Wohnzimmer und ließen uns erklären, wie man das Zeug einnimmt, oder besser einatmet. Wir befolgten alles und die Wirkung kam schnell. Vollkommen benebelt ließ ich mich sinken und kippte weg.

Gegen morgen wachte ich auf. Mir war schlecht und mir war kalt. Ich fühlte mich miserabel. Ich lag auf dem Boden, neben Mülltonnen, in einer kleinen Seitenstraße. Allmählich dämmerte mir die Erinnerung an gestern. Wo war Svenja? Was war nur mit uns geschehen? Ich bekam Angst, fühlte mich elend und weinte. Was haben wir nur gemacht, schoss es mir durch den Kopf. So schlecht hatte ich mich noch niemals zuvor gefühlt. Mein Körper zitterte, ohne das ich ihn kontrollieren konnte. Mein T-Shirt stank, ich hatte mich wohl übergeben. Mein Kopf war nur noch von Angst erfüllt. Ich wollte nach Hause. „Nun schau dir doch das einmal an“, hörte ich eine Frau sagen,“ so jung und schon in der Gosse. Für so was wie die, hole ich noch nicht einmal einen Krankenwagen. Einfach widerlich.“ Damit gingen sie weiter. Erst jetzt merkte ich, dass es regnete. Zitternd rappelte ich mich auf und schleppte mich die Straße entlang, von wo ein schmaler Lichtstrahl den regennassen Asphalt zu kleinen zerbrochenen Spiegeln werden ließ...


Fortsetzung folgt...




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(4)
Teufelskreis

Mit einem großen Schluck trank ich mein Milchglas leer und rief: „Ich muss los, Mama! Mach´s gut, bis nachher.“
Draußen vor der Tür schaute ich nach oben. Der Himmel verhieß nichts Gutes. Seit gestern regnete fast ohne Unterbrechung – und das mitten im Juni.
Zu allem Überfluss stand heute in den ersten beiden Stunden SPORT auf meinem Stundenplan. Nicht, dass ich so unsportlich wäre. Nein, eigentlich macht mir Bewegung Spaß, aber mit unserer neuen Sportlehrerin bekam ich ständig Stress. Mit hängenden Schultern und einer Laune nahe dem Gefrierpunkt lief ich los. Völlig durchnässt kam ich an der Sporthalle an.
Meine Freundin Sina erwartete mich schon: „Hey, wie war dein Wochenende so? Meins war sterbenslangweilig. Familienbesuch!!!“ Ich hakte Sina unter: „Ach, hör bloß auf. Ich war meiner Mutter zu aufmüpfig und frech. Da hatte sie nichts Besseres zu tun, als mir den ganzen Samstag Hausarrest zu erteilen. Damit ich Zeit habe, mein Zimmer aufzuräumen, meinte sie.“
Mittlerweile hatten wir die Umkleideräume erreicht. Schnell zogen wir unsere Sportsachen an und schon fünf Minuten später standen wir in Reihe vor dem Stufenbarren. Oh je – auch das noch! Gab es ein schlimmeres Turngerät als den Barren? Viel zu schnell war ich an der Reihe. Meine Finger umfassten den Holm, ich schwang auf – um kurz darauf wie ein nasser Sack auf die Matte zu plumpsen. Gelächter ertönte. Ich schaute auf und da stand sie – Frau Steinbeisser: „Na, Sina – hast wohl am Wochenende zuviel schwere Sachen gegessen. Wie kann man nur so unsportlich sein. Kaum noch mit anzusehen. Aber du hast ja auch ein paar Kilo in Bewegung zu setzen.“ Unter dem Gelächter meiner Klassenkameradinnen stand ich langsam auf. Mein Rücken tat ganz schön weh. Sina legte den Arm um meine Schultern und begleitete mich zur Bank. Ich beobachtete Sina bei ihrer exzellenten Darbietung. Mit so einer Modellfigur wie Sina kann man halt alles. Missmutig richtete sich mein Blick auf die Speckröllchen über meinem Hosenbund.
Beim Duschen beobachtete ich neidisch die anderen Mädchen. Die meisten waren dünner als ich, bis auf die dicke Anita, aber die war schon außer Konkurrenz und oft der Mittelpunkt von Hänseleien. Sina hatte auch viele Verehrer. Ich dagegen nur ein paar Freunde aus der Grundschulzeit. Wer interessiert sich auch schon für so ein Pummelchen wie mich.
Im Klassenraum setzte ich mich auf meinen Platz neben Sina und sagte: „ Ich mache ab heute einen Diät. So kann es nicht mehr weitergehen. Ich kann mich gar nicht mehr leiden, so fett wie ich bin!“ „Hey, eine prima Idee. Ich werde dich nicht nur unterstützen, sondern mitmachen. Gemeinsam geht es leichter. Okay?“ „Ja, das ist toll – danke. Aber wo willst du denn noch abnehmen?“ Sina kniff sich in den Bauch: „Da – irgendwo hat jeder noch Pölsterchen, welche er gerne loswerden möchte.“ Der restliche Schultag zog sich endlos dahin.
Später zu Hause blätterte ich angestrengt in einem Diätratgeber, welchen ich mir in der Bücherei ausgeliehen hatte. Bei den Kalorienangaben bekam ich einen Schock. Uff, was man im Laufe eines Tages so alles in sich hineinstopft. Mir würde direkt schwindelig bei den ganzen Zahlen.
Am Abend rief mich meine Mutter zum Abendessen. Ich sagte ihr, mir sei übel und ich möchte nichts essen. Mama fühlte mir meine Stirn und schickte mich vorsichtshalber ins Bett. Da lag ich nun und von der Küche zog ein köstlicher Duft nach oben. Bei dem Gedanken ans Essen knurrte mein Magen heftig, so als wolle er mich ermahnen, nicht das Essen zu vergessen. NEIN, ich musste tapfer bleiben. Schon gleich am ersten Tag wieder aufgeben? Nein, nein, nein – diesmal wollte ich es schaffen.
Am Abend nach dem Duschen stieg ich auf die Waage. Sie zeigte stolze 72 kg, bei einer Größe von 1,61 cm deutlich zuviel. Im Bett dachte ich noch lange nach. Mit vielen neuen Ideen zum Abnehmen schlief ich ein. Am nächsten Morgen bestand mein Frühstück aus einer Tasse Kräutertee. Essen wollte ich Nichts. Mit besorgtem Blick ließ mich meine Mutter zur Schule ziehen. Während des Unterrichts sorgte mein Bauch mit seinem lauten Geknurre für allerlei Belustigung. Am Nachmittag musste ich mit meiner Mutter zu unserem Hausarzt gehen. Er diagnostizierte eine Magen,- Darminfektion. „Nun, Paula, dann musst du dich wohl ein paar Tage mit Kräutertee und Zwieback begnügen. Na – wird schon gehen – bist ja gut beieinander!“ Mit diesen Worten klopfte er mir väterlich auf meinen Po. Oh ja, wie recht er hat, dachte ich. Aber ihr werdet noch staunen. Die nächsten zwei Tage schaffte ich es, meine Mutter von der Tee-Therapie zu überzeugen. Den Zwieback hatte ich von meinem Speiseplan gestrichen. Zu viele Kalorien! Auch den Tee trank ich nur noch ohne Zucker, sonst mussten es mindestens zwei Löffel sein. Am dritten Tag zeigte die Waage nur noch 69,7 kg. Wow – endlich im Sechziger-Bereich! Super, so schwer ist das doch gar nicht!!! In den nächsten Tagen kostete es mich schon einiges an Einfallsreichtum um mich vor dem Essen zu drücken. Sehr hilfreich war mir da unser Hund „Alf“ – allzu gerne schnappte er nach den Happen, welche ich ihm unter dem Tisch hinhielt. Ich fühlte mich plötzlich so leicht und frei. Kein Bauchdrücken mehr nach dem Essen und kein Frust vorm Kleiderschrank, wenn die neue Jeans schon wieder drückte. Supergut fühlte ich mich. Meine Freundinnen bemerkten auch schon eine Veränderung. „Mensch, Paula – du siehst irgendwie verändert aus. Richtig gut! Hast du abgenommen?“ Stolz erzählte ich von meinem Erfolg. Mittlerweile hatten sich 6,6 kg von meinen Hüften verabschiedet. Also, nur noch 65,4 kg.
Heute war es wieder soweit – Montag – Sport!
Voller Vitalität schlüpfte ich in meine Sportsachen und lief in der Halle schon einmal ein paar Runden zum Aufwärmen. „Nanu, Paula, was ist denn das? Du läufst freiwillig? Kaum zu glauben – aber, du siehst auch gut aus. Hast wohl ein paar Kilo abgenommen. Für was so ein Infekt alles gut ist“
Kaum zu glauben, ein Lob von Frau Steinbeisser – für mich. Aber von wegen Infekt! Selbst geschafft hatte ich das. Ich spürte neue Energie in mir aufsteigen und eilig lief ich weiter.
„Ach, Paula – ich schaff es nicht!“ jammerte Sina in der großen Pause und biss herzhaft in ihr Salamibrötchen. „Mein Hunger ist soooo groß. Da muss mein Speckröllchen wohl noch ein Weilchen bei mir bleiben.“
Im Geheimen war ich froh, dass Sina ihre Diät nicht schaffte. So konnte sie wenigstens nicht noch schlanker und schöner werden. Auf dem Nachhauseweg traf ich Pascal, den Schwarm aller Mädchen. „Hallo, Paula – alles klar?“ Mir wurde ganz schwindelig. ER hatte mich angesprochen!? Früher lief er an mir vorbei, ohne mich auch nur wahrzunehmen. Ich war unbändig stolz auf mich und meine Leistung. Zu Hause stieg mir der Duft von gebratenen Schnitzeln in die Nase. Ööööh, einfach widerlich. Mama rief auch schon zu Tisch. „Mama, bitte kann ich oben essen? Ich muss noch soviel für die Schule machen.“ Ich schnappte meinen Teller und stapfte die Treppe herauf, direkt zum Badezimmer. Ich nahm das Messer, zerteilte das vor Fett triefende Schnitzel und ließ alles ins Klo plumpsen. Angeekelt spülte ich die Kalorienbomben hinunter. Hunger hatte ich schon seit einigen Tagen nicht mehr. Absolut nicht. Ein tolles Gefühl. Ich hatte meinem Körper endlich Manieren beigebracht.
Später brachte ich den Teller in die Küche und sagte meiner Mutter, wie gut es mir geschmeckt hatte.
„Das ist schön, mein Kind, dass du wieder Appetit hast. Siehst schon ganz mager aus. Komm nimm dir noch einen Pudding mit.“ Ich nahm den Pudding, Mama war zufrieden und sogleich folgte er dem Schnitzel auf seinem Weg. Im Bad stieg ich sogleich auf die Waage. Sie zog mich magisch an. 61,9 kg – unwahrscheinlich. Die Kilos purzeln ja nur so. Am Morgen sprang ich wie immer mit einem flotten Satz aus dem Bett. In der nächsten Sekunde fand ich mich in demselbigen wieder. Mir war total schwindelig. Ich konnte gar nicht aufstehen. Mama rief besorgt bei Dr. Fendrich an. Kurze Zeit später war der Doktor auch schon da. „Dein Blutdruck ist sehr niedrig. Deine Haut ist feucht und farblos. Das gefällt mir gar nicht. Ich werde dir etwas Blut abnehmen. Was macht dein Hunger? Du siehst aus, als hättest du einige Kilos abgenommen!“ Ich erzählte etwas von normalem Appetit und das ich sehr viel Sport treibe um etwas abzuspecken. „Ist ja prinzipiell gut, aber du musst dich auch gesund dabei ernähren, sonst wird dein Körper sehr krank, mahnte der Doktor und ging mit Mama zur Tür hinaus. Am nächsten Morgen ging es mir schon wieder etwas besser, wenn meine Beine sich auch noch wie Pudding anfühlten. Ich schlich langsam zur Schule. Sport, ach du lieber Himmel, ob ich das schaffen werde? Wie ich befürchtet hatte, schaffte ich es nicht. Schon nach der ersten Runde Dauerlauf machte ich schlapp. Gerade noch setzte ich mich auf eine Bank, bevor ich umkippen konnte. Besorgt schaute mich Frau Steinbeisser an: “Paula, du bist ja bleich wie eine Kalkwand. Bleib ruhig noch eine Weile hier liegen und erhole dich.“ In der großen Pause setzte ich mich auf eine Treppenstufe. Sina setzte sich zu mir: „Paula, du machst mir Sorgen. Ich glaube, du übertreibst es ein bisschen mit deiner Diät. Es reicht wirklich. Du bist schlank genug. Hör auf, absolut nichts zu essen. Ich mach mir echt Sorgen.“
„Iwo, Sina – ist doch alles gar nicht so schlimm. Mir ist halt nur mal ein wenig schwindelig. Hab wohl zu wenig getrunken. Du wirst schon sehen, morgen geht es mir wieder gut.“ Zu Hause legte ich mich nur noch in mein Bett und dusselte bis zum nächsten Morgen. Leider ging es mir nicht besser. Im Gegenteil, elend war mir zumute. Ich musste mich übergeben, danach fühlte ich mich wie erschlagen. Vollkommen kraftlos. Ich wollte mich nur noch hinlegen. Doch vorher führte mich der Weg noch auf die Waage – 54,7 kg! Mein Traumgewicht. Bei dieser Erkenntnis ging es mir gleich wieder etwas besser. Am Nachmittag hatte ich einen Termin bei Dr. Fendrich. Meine Mutter erzählte ihm von meinem schlechten Zustand. „Die Laborwerte sind ganz und gar nicht in Ordnung, Paula. Du hast einen akuten Eisenmangel und viel zuwenig Hämoglobin. Ich verschreibe dir ein hochdosiertes Eisen,- und Vitaminpräparat. Und nun möchte ich dich noch einmal wiegen.“ Ich hatte schon damit gerechnet und vorgesorgt. In meinen Strümpfen steckten zwei kleine Gewichte. Jeweils 1,5 kg. Es funktionierte. „Du hast sehr viel abgenommen, Paula. Machst du eine Diät? Wie ernährst du dich denn?“ „Ich esse halt viel Gemüse und Salat. Durch die ständige Übelkeit habe ich in der letzten Zeit auch nicht allzu viel gegessen.“ „Na, dann hoffe ich, dass es dir bald besser geht. Die Tabletten sollten dir schnell helfen. In einer Woche möchte ich dich wieder sehen. Zur Schule gehst du nur, wenn du dich dementsprechend fühlst. Und bitte, keine sportliche Belastung in der nächsten Zeit. Frau Peters, achten sie bitte darauf, dass Paula regelmäßig isst!“ In den nächsten zwei Tagen verbrachte ich die meiste Zeit im Bett. Ich fühlte mich einfach miserabel. Meine Mutter versuchte immer wieder, mich zum Essen zu bewegen. Sie buk mir sogar meinen Lieblingskuchen und kochte mir eine Rinderkraftbrühe. Ich nahm ein paar Löffelchen Suppe zu mir. Heftig begann mein Bauch zu rumoren, mir würde übel und ich erbrach mich in hohem Bogen. Mir ging es so schlecht, dass ich selber Angst bekam. Hatte ich mir doch zuviel zugemutet? Ich begann heftig zu weinen. Meine Mutter nahm mich liebevoll in den Arm. Da sprudelte alles aus mir heraus. Ich erzählte meiner Mutter von meinen vorgetäuschten Mahlzeiten und dem Trick beim Wiegen. Und auch von meinem Wunsch endlich auch so hübsch und begehrenswert wie die anderen Mädchen zu sein. Mama streichelte mir über den Kopf und sagte lange Zeit nichts. Dann schaute sie mir ernst und mit Tränen in den Augen ins Gesicht:“ Sina, ich habe Angst um dich. Das habe ich doch alles nicht gewusst. Wir haben dich doch so lieb und du warst doch auch gar nicht dick. Ein bisschen pummelig, ok – aber das sind viele Mädchen in deinem Alter. Wenn du dich vernünftig ernährst und etwas Sport treibst, reguliert sich das. Aber nun? Was machen wir bloß? Es geht dir so schlecht, ich werde Dr. Fendrich anrufen und ihm die Geschichte erzählen. Wir müssen seine Meinung hören. Bleib liegen, mein Schatz, und hab keine Angst. Alles wird wieder gut werden.“
Draußen hörte ich meine Mutter mit Dr. Fendrich und meinem Vater telefonieren. Kurze Zeit später trafen beide zu Hause ein. Papa war ganz blass und setzte sich neben mich. Sanft streichelte er meine Hand. Dr. Fendrich untersuchte mich kurz und sah mich dann ernst an: „Sina, ich hab schon das letzte Mal so eine Vermutung gehabt. Für viel Sport und viel Gemüse und Salat ging es dir einfach zu schlecht. Und deine Gewichtsabnahme war zu rasant. Weißt du, das ist sehr gefährlich. Zuerst baut der Körper überschüssige Fettreserven ab. Das ging ja auch eine ganze Weile gut bei dir. Wenn der Körper aber keine mehr für ihn wichtigen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente bekommt, wird er krank. Wie ein Motor, der kein Kühlwasser mehr hat. Das Auto fährt zwar noch eine Weile, aber wenn man dann kein Wasser nachfüllt, geht der Motor kaputt. So ähnlich sieht es mittlerweile in deinem Körper aus. Er kann gerade noch so die lebenswichtigsten Funktionen aufrechterhalten. Aber nicht mehr lange. Wenn nämlich keine Fettreserven mehr da sind, die der Körper in Energie umwandeln kann, baut er auch Muskulatur ab. Deshalb deine Schwäche und die Kraftlosigkeit. Nach der Körpermuskulatur greift dein Organismus auch deine Herzmuskeln an. Sie schrumpfen. Dein Herz wird immer schwächer und kann deinen Körper nicht mehr versorgen und letztendlich hat das Herz keine Kraft mehr um zu schlagen und du stirbst. Sina, ich will dir keine Angst machen, aber es ist wirklich sehr, sehr ernst. Dein Leben ist in Gefahr. Ich habe dich schon in einer Klinik angemeldet. Die haben sehr viel Erfahrung mit magersüchtigen Mädchen. Dort wird man dir helfen.“ Ich schaute in die Augen meiner Eltern und Tränen liefen unentwegt über mein Gesicht. Kraftlos nickte ich: „Helft mir bitte! Ich habe Angst!“
Das ist nun mittlerweile vier Monate her. Ich bin noch immer in einer Klinik für Anorexie – so heißt meine Krankheit auf Latein. Ich wiege mittlerweile wieder 59.0 kg und mir geht es ganz gut. Hier sind viele nette Mädchen mit dem gleichen Problem. Wir haben täglich Gespräche mit einem Psychologen. Ich muss lernen, mich und meinen Körper zu akzeptieren und ihn wieder so wahrzunehmen, wie er wirklich ist. Ich bin lange noch nicht geheilt, die Gefahr wieder in den Sog der Magersucht zu geraten, ist hoch. Manchmal komme ich mir wieder unendlich dick und hässlich vor. Doch da gibt es noch Noah. Ich habe ihn hier in der Klinik kennen gelernt. Er leidet an Bulimie. Das ist Ess,- Brechsucht. Er kann mich verstehen und wir haben uns sehr lieb. Ich habe wieder Vertrauen in mich und meine Zukunft und den festen Willen gesund zu werden. Ich hoffe, dass ich mit meiner Geschichte vielleicht einigen Mädchen in einer ähnlichen Situation helfen kann – bevor es zu spät ist!!!!!






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(5)
Amerika – und dann?

Rums – die Tür fiel mit einem Knall ins Schloss. Kurz darauf hörte ich ein Auto wegfahren. Mein Mann brachte unseren Kleinen zum Zug. Unser Kleiner – ja so nannte ich ihn noch immer. Mittlerweile war Tobias schon 20 Jahre alt und unser Nesthäkchen. Unser ältester Sohn Mark ist schon 34 Jahre, verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Als Mark damals auszog, um in Freiburg zu studieren, war es schon ein komisches Gefühl. Plötzlich war unser Ältester erwachsen und selbstständig geworden. Ein paar Wochen schlich ich um das frei gewordene Zimmer herum. Dann öffnete ich die Tür, schaute mich um und plötzlich kam mir eine tolle Idee. Hier konnte ich mir endlich mein langersehntes Hobbyzimmer einzurichten. Ich nähe nämlich leidenschaftlich gerne und in diesem Zimmer konnte alles zum Nähen liegen bleiben, ohne es immer wieder wegräumen zu müssen.
Lange Zeit zum Grübeln hatte ich sowieso nicht, denn Tobias war damals erst 10 Jahre alt und in einem überaus flegelhaftem Alter. Er nahm noch viel meiner Zeit in Anspruch, brauchte Hilfe bei den Hausaufgaben, brachte viele Freunde mit nach Hause und erzählte mir oft von seinen kleinen Sorgen und Problemen. Ich wurde ganz einfach gebraucht.
Doch was war jetzt? Stille –Einsamkeit – Leere, einfach nichts!
Vor acht Wochen kam Tobias freudestrahlend nach Hause und wedelte mit einem Brief in der Luft herum: „Mama, Papa, ist das nicht super. Ich habe das Stipendium für Boston bekommen. Sie haben mich angenommen. Paul und mich. Wow – Spitze was?“ Er tanzte vor Freude in der Küche herum. Paul, dass war sein bester Freund, schon seit der Grundschule. Mein Mann rief: „Toll, mein Junge! Unseren herzlichsten Glückwunsch. Das hast du aber auch wirklich verdient, bei deinen guten Leistungen.“ und klopfte Tobias ganz männlich auf die Schulter. Ich freute mich riesig für unseren Tobias und drückte ihn ganz lange an mich. Doch außer der großen Freude und dem Stolz fühlte ich noch etwas Anderes in meinem Herzen. Mir wurde ganz komisch, wenn ich an den Tag des Abschieds dachte. Ich ließ mir aber nichts anmerken und freute mich einfach mit.
In den nächsten Wochen folgte ziemlich viel Hektik. Es musste noch so viel organisiert und geplant werden. Termine in der Schule, Telefonate mit der Uni in Boston, Zimmersuche, Tickets im Reisebüro buchen, packen und vieles mehr.
Die Zeit verflog und der Tag des Abschieds rückte immer näher. Freitag, der 19.09.04, 17:35 ab Frankfurt - der Abflugtermin. Das Datum war im unserem Küchenkalender rot markiert. Bei jedem Blick auf den Kalender sprang mir das Datum entgegen. Dann war es soweit! Die Koffer waren gepackt und im Auto verstaut. Paul kam gerade mit seinen Eltern. Mein Mann wollte die Beiden nach Frankfurt zum Flughafen fahren. Wir tranken alle zusammen noch eine Tasse Kaffee und lachten und freuten uns. Pauls Mutter und ich überschlugen uns mit gut gemeinten Ratschlägen und Tipps.
Dann stand mein Mann auf und sagte: „So, jetzt wird es aber langsam Zeit zum Aufbruch. Wir haben noch zwei Stunden Autobahnfahrt vor uns. Ich möchte noch etwas Zeit in Reserve haben, falls wir in einen Stau geraten.“
Es wurde sich gedrückt und geküsst und es flossen ein paar Tränen aus meinen Augen. „Mam, bitte wein nicht“, hörte ich Tobias sagen, „ich werde dich ganz oft anrufen und schreiben und in den Semesterferien komme ich doch nach Hause.“ „Na klar, mein Junge“, hörte ich mich sagen, „Ich freue mich doch so sehr für Dich. Kümmere dich nicht weiter um deine alte, sentimentale Mutter.“ Es ging sehr schnell und dann dieser Rums – ich höre ihn noch immer.
Ich ging hinauf, setzte mich auf die Treppe vor Tobias Zimmer und weinte. Wie lange ich weinend dort gesessen habe, weiß ich gar nicht. Als ich durch meine verquollenen Augen wieder etwas wahrnahm, war es schon dunkel. Ich ging nach unten und setzte mich ins dunkle Wohnzimmer. Mir war kalt, ich machte den Kamin an und fror immer noch. Ich hatte Angst. Angst vor der Einsamkeit, die Angst nun nicht mehr gebraucht zu werden. Die Kinder leben nun Beide ihr eigenes Leben und ich – ich bin nutzlos und allein. So ein Quatsch! Manchmal kam meine Vernunft zum Vorschein. Freu dich doch für deinen Sohn. Er hat eine tolle Chance bekommen. Sei stolz und jammere nicht so. Ich wusste das Alles und freute mich ja auch, aber ich fühlte mich so allein.
Stunden später hörte ich meinen Mann nach Hause kommen. Er kam ins Wohnzimmer, sah mich an, nahm mich in seine Arme und drückte mich ganz fest. „Na, du einsame traurige Mami – ist schon ein saudummes Gefühl so alleine. Jetzt musst du mich hegen und pflegen.“ Dabei streichelte er mir sanft über mein Haar. Ich schluchzte laut auf und weinte weiter.
In der Nacht habe ich kaum geschlafen. Ich saß in Tobias Zimmer und starrte in die Dunkelheit. In den Regalen gab es leere Fächer, seine CD`s fehlte, es lag keine schmutzige Wäsche mehr auf dem Boden und es fehlte mein Junge. Die Bettwäsche roch noch nach Tobias und ich steckte meine Nase ganz tief in das Kissen hinein. Gegen Morgen schreckte ich plötzlich auf. Ich musste doch etwas eingenickt sein.
Ring, Ring – läutete das Telefon oder träumte ich noch? Ich brauchte eine Weile, bis ich merkte, es war Wirklichkeit. Da durchfuhr mich ein Schreck. Tobias, der Junge, es ist ihm etwas zugestoßen. Ein Unfall, er ist krank.......Meine Gedanken überschlugen sich. Ich stolperte zum Telefon, nahm es auf, drückte voller Panik auf die grüne Taste und: „Hallo Mami, wir sind vor einer Stunde gut gelandet. Es ist super hier. Ich bin todmüde und glücklich und Mama – ich wollte Dir sagen, dass ich Dich sehr lieb habe, Dich vermisse und ich freue mich darauf Euch bald wiederzusehen.
Ich hab´ Dich lieb Mam! Grüß´Papa von mir. Bis bald!“
Er schmatzte mir noch einen dicken Kuss durch die Telefonleitung an mein Ohr und dann war außer einem Klicken in der Leitung nichts mehr zu hören. Ich legte das Telefon wieder zurück. Ich war noch immer traurig, doch tief in mir wurde es ganz warm. Ja, auch tausende von Kilometern konnte an unserer Liebe nichts ändern. Was doch so ein Anruf alles bewirken kann! Ich ging in die Küche hinunter und machte ein schönes Frühstück für meinen Mann und mich.



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